von Gernot Kirch

„Kippt Feldhamster-Population den „Hohen Stein"?“

Am Montagabend legte das Bündnis gegen den "Hohen Stein" auf einer Pressekonferenz eine Liste vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen vor, die man auf dem Areal des geplanten Gewerbe- und Technologieparkes bei Heppenheim und Pfeddersheim gesichtet bzw. deren Behausungen man entdeckt habe.

Insgesamt stünden auf der Liste 19 Vogel-, 2 Pflanzen- und eine Säugetierart – der Hamster. Die höchste Brisanz hat dabei der Feldhamster. Diesbezüglich hatte Prof. Dr. Michael Koch, der der mit dem städtischen Gutachten beauftragt ist, bei der Präsentation seines Untersuchungsansatzes am 23. Januar im Stadtrat erklärt: "Das Vorfinden einer Feldhamster-Population wäre ein absolutes K.O.-Kriterium für die Realisierung des Gewerbegebietes, da er vom Aussterben bedroht ist und unter europäischem Naturschutz steht."

Karl Müller (FWG) erläuterte der Presse, dass neben dem Feldhamster zahlreiche Vogelarten entdeckt habe, die vom Aussterben bedroht seien. Zu nennen seien hier vor allem die Feldlerche, der Grauammer, die Schafstelze und die Wachtel.

Richard Grünewald vom Bündnis forderte, ein Gutachten von Experten anfertigen zu lassen. Zwar habe man die Tierarten am "Hohen Stein" gesichtet und teilweise deren Behausungen gefunden, aber jetzt müssten Fachleute dies alles noch einmal unter die Lupe nehmen. Am geeignetsten seien hierfür die Monate April und Mai. Zum Feldhamster führte er weiteraus, dass man drei Populations-Schwerpunkte am gefunden habe. Zusammen seien dies etwa 50 bis 100 Tiere. Feldhamster brauchten Lös- oder Lehmböden und ihre Gänge dürften nicht zu tief und an den der Nähe von Flüsse liegen, da sie sonst bei Hochwasser ertrinken würden. Die leichte Höhelage des Hohen Stein sei hier ideal. Zudem sei das Nahrungsangebot mit den wechselnden Fruchtfolge aus Rüben und Getreide hervorragend.

Ein Umsiedlung sei schwierig, wenn nicht gar unmöglich. So habe man beim Bau der Mannheimer SAP-Arena dort ansässige Feldhamster-Populatioen umgesiedelt. Doch habe dies nicht funktioniert und die Hamster seien gestorben.

Auf die Frage, warum man gerade jetzt die Feldhamster gefunden habe, wo im Stadtart von einem diesbezüglichen K.O.-Kriterium gesprochen worden sei, sagte Grünewald: "Das Timing wurde uns vorgegeben. Wir wollten keine Konfliktpotentialanlyse wie der Oberbürgermeister. Wir hätten lieber bis zum April gewartet, wenn alle Tiere wieder dort aktiv sind. Aber die Stadt wolle ja jetzt das Gutachten von Prof. Koch aus Stuttgart."

Der zuständige Dezernent, Hans-Joachim Kosubek, erklärte auf Nachfrage des NK, dass es notwendig sei, die genaue Hamster-Population am "Hohen Stein" zu untersuchen. Im Sommer 2012 habe der Biologe und "Hamster-Pabst" Wolfgang Hellwig eine Untersuchung über die kleinen Nager in ganz Worms durchgeführt, welche die Stadt vor rund einer Woche erhalten habe.

Diese habe man jetzt umgehend an Prof. Koch aus Stuttgart weitergeleitet, damit der diese Ergebnisse in seine Konfliktpotentialanalyse einfließen lassen kann. Doch sei die Untersuchung von Hellwig nur eine grobe Erfassung der Tiere im Zusammenhang mit Ausgleichsflächen für Windräder gewesen, bei der auch die Fläche südlich von Pfeddersheim berücksichtigt worden sei. Nach Aussage von Wolfgang Hellwig, so Kosubek, gäbe es südlich von Pfeddersheim einige Feldhamster. Wie viele, dies müsse man nun genau untersuchen, so der Umweltdezernent.

Oberbürgermeister Michael Kissel bestätigte gegenüber dem NK, dass die Unterlagen von Wolfgang Hellwig umgehend an Prof. Koch weitergeleitet worden seien. Dies entspräche ja auch genau der Absicht, dass Konfliktpotentiale ermittelt werden. Sollten sich Anhaltspunkte für Feldhamster-Populationen am "Hohen Stein" ergeben, seien die Forderungen des Bündnisses berechtigt und es müssten weitere Untersuchungen, am besten im Mai, stattfinden. OB Kissel wies auf die ernste Situation hinsichtlich des Artenschutzes bei den Feldhamstern hin und sagte, dass ein Umsiedeln bei Hamstern nahezu unmöglich sei. Er räumte ein, dass eine Feldhamster-Population ein K.O.-Kriterium für das Gewerbegebiet darstelle.

Zum Artikel im Nibelungenkurier