Engagement für den Erhalt des Hohen Steins

von Prof. Dr. Werner Zager

Was unser Verhältnis zu unserer Mitwelt betrifft, ist für mich als evangelischer Christ das Gebot, die uns anvertraute Schöpfung auch für künftige Generationen zu bewahren, von grundlegender Bedeutung. Um mit dem jüdischen Philosophen Hans Jonas zu sprechen, sollte sich unser Verhalten von der Weisung bestimmen lassen: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden." Ein solcher Imperativ steht einerseits im Einklang mit dem von Hans Küng formulierten „Weltethos" und kommt andererseits in dem Gedanken einer nachhaltigen Entwicklung zum Ausdruck. Hier besteht übrigens ein weitreichender gesellschaftlicher Konsens. Jedenfalls theoretisch. Nun gilt es diesen Konsens auch in die Praxis umzusetzen – und zwar ganz konkret vor Ort. Und dies ist der Grund, warum sich Christen für den Erhalt des Hohen Steins einsetzen sollten. Getreu der Weisung des Jakobusbriefs: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein!"

Angesichts der Tatsache, dass 870 Millionen Menschen – d.h. etwa jeder achte Mensch – auf dieser Erde hungert, ist nicht zu verantworten, dass sehr fruchtbares Ackerland auf dem Hohen Stein – es zählt zu den besten Böden Deutschlands, ja weltweit – der Nahrungsmittelproduktion entzogen wird. Im Kontext einer globalisierten Wirtschaft bedeutet dies nämlich, dass wir noch mehr Nahrungsmittel einführen müssten, als dies ohnehin bereits der Fall ist – zu Lasten der Ärmsten dieser Erde.

Erinnert sei an die Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2009, die den Titel trägt: „Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels". Darin ist zu lesen: „Armutsüberwindung und Ernährungssicherung erfordern auch eine Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit im umfassenden Sinne, also die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen Wasser und Böden und den Schutz gefährdeter Ökosysteme."

Weiterhin ist das Argument für ein Gewerbe- und Industriegebiet auf dem Hohen Stein, dass dadurch neue Arbeitsplätze entstehen, nicht stichhaltig. Denn durch die Vernichtung wertvoller landwirtschaftlicher Flächen entfielen zugleich Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Außerdem gilt es die negativen klimatischen Folgen zu bedenken, die die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Worms erheblich beeinträchtigen werden. Die Industrieansiedlungspolitik in Worms der letzten Jahre hat nicht zur Entstehung qualifizierter Arbeitsplätze beigetragen. Es sind vorzugsweise solche im Niedriglohnsektor entstanden, einhergehend mit großem Flächenverbrauch, Lärm- und Umweltbelastung sowie Abnutzung des Straßennetzes. Solches wäre dann auch für den Hohen Stein zu erwarten. Will man wirklich die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze ermöglichen, so lässt sich das an anderen Stellen unserer Stadt realisieren. Jedoch bedarf es dazu ganz anderer Anstrengungen.

Die Mitglieder des Wormser Stadtrates sind folglich aufgefordert, ihrer hohen Verantwortung gerecht zu werden, sich nicht den Politikverdrossenheit befördernden Fraktionszwängen unterzuordnen und stattdessen auf ihr Gewissen zu hören und ihrem eigenen Menschenverstand zu folgen – zum Wohle der Bevölkerung und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung unserer Region. Möge das große Engagement Vieler im Bündnis Hoher Stein zum erhofften Erfolg führen.

[in leicht veränderter Form erschienen in der Ausgabe „Unser Gemeindebrief" der Evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde Worms, Nr. 1/2013]