Gemeinsame Pressekonferenz der Stadtratsfraktion Bündnis 90 / Grüne und Bündnis Hoher Stein im Rathaus:

In der Diskussion um die vermeintliche Vergabe eines Klimagutachtens wollen wir zur Versachlichung beitragen, indem wir fachliche Kriterien an ein solches Gutachten vorstellen:

  • Was ist der Stand aktueller Stadtklimauntersuchungen in Deutschland?
  • Welche Fragen muss ein solches Gutachten beantworten?
  • Welchen Nutzen bringt es für die Stadt Worms?
  • Welche zeitliche Dimension hat es?

Präsentation zu den Kriterien eines Klimagutachtens unter folgenden Gesichtpunkten:

  1. Bedeutung des kommunalen Klimaschutzes
  2. Klimawandel als neue Rahmenbedingung
  3. Aktuelle Methodik / „Handwerkszeug"

Präsentation als pdf-Dokument (2,8MB)

 

Kriterien eines Klimagutachtens für die Stadt Worms

Vor dem Hintergrund des immer deutlicher spürbaren Klimawandels kommt einer kommunalen Klimaanpassungsstrategie eine wachsende Bedeutung zu. Welchen gesteigerten Stellenwert das Verständnis, die Bewertung und der Schutz des Klimas auch auf lokale Ebene hat, zeigen die bundesweiten Veränderung der Stadtklimagutachen der letzten 15 Jahre hinsichtlich Methodik, Datengrundlage, zeitlicher Projektion und den resultierenden Planungsimpulsen.

Diesen Stand von Forschung und Technik einerseits, sowie Problembewusstsein und sich abzeichnender Verantwortung andererseits gilt es auch in der Stadt Worms für eine zukunftsfähige Entwicklung zu nutzen. Nur so sind auch die nötigen Finanzmittel sinnvoll investiert. Kurz gefasst sind dabei folgende Aspekte zu berücksichtigen:

Zielsetzung

  • Klimaanpassung als Schwerpunkt künftiger Stadtplanung
    Konkrete Notwendigkeit zur Gefahrenabwehr
    Vermeidung irreparabeler Schäden und Risiken
  • Zeitliche Projektion vor dem Hintergrund des Klimawandels bis 2050
    (Erwärmung, Niederschlagsverschiebung, Zunahme der Wetterextreme)
  • Fokussierung auf Kaltlufthaushalt und Ventilation
    - einerseits Achillesfersen der Stadt von Morgen
    - andererseits lokal beinflussbar z.B. durch Freihaltung von Bebauung
    - Schwerpunkt austauscharme sommerliche Strahlungswetterlagen Feinstaubbelastung / Entwicklung aufgrund Szenarien

Methodik

  • Datenbasis: flächendeckende Nutzung digitaler Geoinformationssystemen (GIS)
    - Datenmodelle REMO, CLM, WETT-REG, STAR
    - für Mesoklima, RLP: Knote auf Basis COSMO-CLM
    - Ensembletechnik zur Stabilisierung von Prognosen
    - Einbezug von Daten zur Oberflächenbeschaffenheit (Relief, Gebäude, Bewuchs). Modellierung
    - 3-dimensionale Modellierung - Rasterung < 1.000m
  • Modellierung
    - 3-dimensionale Modellierung
    - Rasterung < 1.000m
  • Messungen
    - stationär, min. 10 Stationen (Lufttemp., -feuchte, Windgeschwindigkeit, -richtung)
    - mobil (Messfahrten, 1-2 FZ) v.a. nach Sonnenunter- und vor Sonnenaufgang, 100-200 Messpunkte
    - min. von April – September, besser 12 Monate
    - Thermalscannerbefliegung zur Messung oberflächlicher Temperaturverhältnisse und des nächtlichen Abkühlungsverhaltens
    - Radarbefliegung bei Lücken im GIS zur 3D-Modellierung
    - Vertikalsondierungen zur Luftschichtung an min. 3 Terminen
    - Rauchgas- / Tracerversuche an mehreren Standorten zum Nachweis bodennaher Kaltluftabflüsse
  • Abgleich Modellierung / Messung
  • Erstellung eines Kaltluftabflussmodells

Ergebnisse

  • Aussagen zu Mesoklima (Region), Stadtklima und Lokalklima (z.B. Innenstadt)
  • Aussagen auf den drei Planungs-Ebenen
    - Regionaler Raumordnungsplan
    - Flächennutzungsplan
    - Bebauungspläne
  • Identifikation vorhandener und v.a. potentieller Wärmeinseln
  • Außer Klimafunktionskarte auch Bewertungskarte (Schutzwürdigkeit einzelner Gebiete)
  • Impulse für „klimatisch optimierte Stadtplanung" statt klass. Umweltverträglichkeitsprüfung
  • Aussagen zur Verletzlichkeit (Vulnerabilität) von Klimawirksamen Gebieten (z.B. Kaltluftentstehungsgebieten, Ventilationsbahnen) und Stadtteilen (z.B. Wärmeinseln)
  • Aussagen über Vulnerabilität von Infrastruktur
  • Einstufung klimatischer Schutzwürdigkeiten
  • Impulse für eine Klimaanpassungsstrategie
  • Impulse für ein Bodenschutzkonzept
  • Impulse für Maßnahmen zur Klimaoptimierung

Anforderungen an Auftragnehmer

  • Expertise in Gutachten vorgenannter Qualität
  • Zielgruppeadäquate Präsentation der Ergebnisse auf den entsprechenden politischen Beteiligungs- und Entscheidungsebenen

Kriterien zum Klimagutachtachten als pdf-Dokument