erlebnistag15Hand in Hand stehen 400 Menschen im Matsch um ein Feld, swingen zur Musik und schwenken Schilder: Kein Gewerbegebiet auf besten Böden. Die Luft brennt, Mut und Zuversicht sind mit Händen zu greifen und dann rollt eine La-Ola-Welle rund um den Acker. Aus luftiger Höhe bietet sich den Fotografen das Bild einer engagierten Menschenmenge, die bereit ist, für den Erhalt Ihrer Umwelt auch bei schlechtestem Wetter zum Hohen Stein zu kommen und dort zu kämpfen und zu feiern.

Dabei sah zunächst alles nach einem Debakel aus. Vor dem geplanten Beginn um 11.00 Uhr fielen 20 Liter Gewitterregen und die Schar der Helfer saß unter Zeltdächer fest. Alles deutete darauf hin, dass der Erlebnistag buchstäblich ins Wasser fallen würde. erlebnistag14Als den Wetterunbilden zum Trotz dennoch erste Bündnismitglieder eintrudelten, beschlossen die Organisatoren, in Gummistiefeln zur Erlebnisroute aufzubrechen. Mit dem Wetter hellte sich die Stimmung auf und die erste Gruppe startete zur Führung über den Hohen Stein. Bündnissprecher Marcus Centmayer demonstrierte an Schautafeln die Bodenqualität, erläuterte von Brotgetreide über Kartoffeln und Erbsen die angebauten Kulturen stellte die Bauernfamilien vor, welche die Felder bewirtschaften. Im frischen Westwind konnte jeder leicht nachvollziehen, dass es sich hier um eine Frischluftschneise handelt und erfuhr, wie ein Kaltluftentsthehungsgebiet funktioniert.

 

erlebnistag16Zurück am Festplatz bauten Kinder am Stand des BUND über 60 kleine Insektenhotels oder fertigten Buttons bei den Aktiven des NABU. Christine Springer malte und bastelte mit den jüngsten, während die Mutigeren an der Infostation der Jäger Fuchs und Reh ins Auge blickten, die dort ungefährlich weil präpariert zu sehen waren.

Schließlich stand sogar die Sonne am Himmel über dem Hohen Stein und die Besucher konnten mit Ferngläsern des NABU die Fahnen an den weit entfernten Eckpunkten der geplanten Naturzertsörung erspähen. Beeindruckt war so Mancher vor der schieren Größe des Areals, die einem völlig neuen Stadtteil entspräche.

erlebnistag17Ausgesprochen bunt war die Bühne dann zur Talkrunde mit Stadträte vieler Couleur bestückt, die in ihren Statements darlegten warum sie für einem Schutz von Klima, Umwelt und Landwirtschaft eintreten.

"Sprechen Sie die Mandatsträger Ihrer Partei auf den Schutz des Hohen Steins an, denn das macht Eindruck!" forderte Hans-Jürgen Müsel von der CDU die Anwesenden auf. Und setze unter Applaus hinzu: "Ich werde gegen einen solchen Flächenverbrach stimmen, denn er ist nicht nachhaltig!" Karl Müller und Matthias Englert von der FWG plädierten für Klimaschutz und eine Innenentwickung vor Außenentwicklung. erlebnistag19Dr. Jürgen Neureuther (FDP) erklärte, dass weltweit längst ein Run auf fruchtbare Böden eingesetzt habe, weshalb die des Hohen Steins nicht vergeudet werden dürften. "Nirgendwo geht derzeit so die Post ab wie im Agrarsektor" brachte er es auf den Punkt. Micheal Mahla und Kurt Lauer von den Grünen hielten es für unverantwortlich, die Existenzgrundlage zahlreicher Familienbetriebe zu opfern. Stadtrat Lauer gab den Zuhörern mit auf den Weg: "Sie entscheiden bei der nächsten Wahl, wie die Gewichte zwischen Landzerstörern und Bewahrern der Schöpfung verteilt sein werden!"

 

erlebnistag18Gestärkt durch frisch gepressten Apfelsaft vom Hohen Stein, Weine der anwesenden Winzer und regionalen Köstlichkeiten der Pfeddersheimer Metzgerei Lieb fanden sich faden sich im Laufe des Tages über 600 Unterstützer aus allen Wormser Stadtteilen ein. Angesichts der Witterung ein phantastisches Bürger-Engagement.

Die Menschenkette setzte dann den fulminanten Schlusspunkt auf ein Outdoor-Event dessen Matsch, Musik und Begeisterung viele Teilnehmer an Woodstock erinnerte. Alle, die dabei waren, nehmen den Elan und die Zuversicht mitnehmen, dass Bürger die Macht haben, Ihre Stadt vor Schaden zu bewahren.

 

Zum Start der Fotogalerie vom Erlebnistag bitte auf das Bild klicken: