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Foto B.Prior, (aufgrund der 40-fachen Vergrößerung hat man im Hintergrund Blick auf Bockenheim)

am Wochenende konnten wir überraschend mehrere große Gruppen von Kranichen am Hohen Stein beobachten. Am gestrigen Montag, den 11.3. konnte Hr. Prior sen. 70 Kraniche zählen. Bereits am Samstag, den 9.11. gelangen Dr. Bernd Prior (jun.) beeindruckende Aufnahmen der großen Zugvögel auf der Fläche des geplanten Gewerbe- und Industriegebietes. Mit starkem Teleobjektiv konnte der vogelkundige Jäger die aus ihren Überwinterungsgebieten in Spanien und Frankreich kommenden 'Überflieger' detailgenau ablichten. Auf der Aufnahme erkennt Werner Kutz vom NABU auch einen Jungvogel an seinem noch bräunlichen Nackengefieder.

Oft folgen die Flugrouten der imposanten Tiere von der Champagne über Eifel und Moseltal gen Frankfurt, manchmal aber auch einer alternativen Flugstrecke von Burgund über das Saarland, zu uns und dann weiter nach Mecklenburg-Vorpommern ins Baltikum und sogar bis nach Nordfinnland. Diese gewaltigen Strecken können Kraniche in ein bis zwei Tagen zurücklegen, wobei sie Fluggeschwindigkeiten von 60 km/h und mehr erreichen. Um Energie zu sparen, bilden die Langstreckenflieger Formationen in charakteristischer Keilform. Die an der Spitze fliegenden Tiere müssen dabei die größte Anstrengung leisten und werden im Pulk immer wieder abgelöst.

Kranichexperte Kutz von NABU bezeichnet Zwischenlandungen als selten und vermutet, dass die Vögel vom kalten Ostwind, der dem Wintereinbruch vorausging, zum Zwischenstopp gezwungen wurden. Instinktiv suchen sie dabei große übersichtliche Freiflächen, um nicht plötzlich von Jägern wie dem Fuchs überrascht zu werden. Auch brauchen die bis zu 1,50 m großen Ausdauersportler dann eine Zwischenmahlzeit in Form von Pflanzenresten, die sie auf den Äckern am Hohen Stein fanden.

kraniche2Bei ihren Zügen orientieren sich die Kraniche am Magnetfeld der Erde und an Landmarken wie z.B. dem Donnersberg. Da die Vögel 10-15 Jahre alt werden können und sich in ihrer Jugend die Flugkorridore der Eltern einprägen, ist es gut möglich, dass die Jungvögel in den kommenden Jahren wieder einmal den Weg über Worms nehmen und dann am Hohen Stein zwischenlanden möchten. Ihnen bleibt zu wünschen, das sie dann noch eine unzerstörte Rastmöglichkeit vorfinden.

Kraniche gelten als Frühlingsboten, da sie schon früh einfliegen und ihre Rufe weithin hörbar sind. Als 'Vögel des Glücks' werden sie nicht nur in Japan verehrt, wo man ihre Abbilder kunstvoll aus Papier faltet. Als Symbol für Frieden und gegen die Atomkraft werden sie in diesen Tagen nicht nur in Fukushima verschenkt.

Hoffentlich können wir diese Rastmöglichkeit am Hohen Stein noch lange bieten.

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